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Meine ersten sechs bunten Monate

stefanie

Genau sechs Monate ist es her, als ich das erste Mal mit Lena und Björn von der Initiative D21 über das Projekt bunt und verbindlich sprach. Damals hatte es noch keinen Namen. Es existierte nur die Idee, eine Plattform aufzubauen, die auf dem Konzept der Pledgebank aus England basierte: jemand bietet an, etwas zu tun, verbindet dieses Angebot aber mit einer Kondition, die der oder die Unterzeichner des Angebots erfüllen müssen.

Ich glaube fest daran, dass sich im Leben alles irgendwie fügt und mich die richtigen Sachen zur richtigen Zeit finden.

So war es auch damals im April. Als Björn und Lena von der Pledgebank erzählten, stellte ich fest, dass ich Tom Steinberg, den Gründer des Vereins mySociety.org, der die Pledgebank initiiert hatte, kannte. Ich war ihm 2005 begegnet und hatte von ihm viel über sein damaliges Projekt gehört. Zufall? Schicksal? Egal, es passte.

Und noch etwas passte: als die vielen Geflüchteten nach Deutschland kamen, wurde gerade meine kleine Tochter geboren. Ich hatte dieses kleine Wesen im Arm und hörte und sah immer wieder diese Nachrichten, die mich zwischen Tränen, Wut und Hilflosigkeit hin und her rissen. Ich kaufte Windeln, Kosmetikartikel und Essen und fuhr ins LaGeSo, der zentralen Anlaufstelle für Geflüchtete in Berlin. Ich wollte helfen, irgendwie. Im LaGeSo, wo die Hilfsorganisation Moabit hilft! die Koordination der Helfenden leitete, freute man sich über meine Spenden, aber man sagte mir auch ganz klar, dass ich mich mit einem Neugeborenen besser nicht dort aufhalten solle, da die Gefahr ansteckender Krankheiten bestand, die für meine Tochter schlimme Folgen haben könnten.

So saß ich zu Hause und überlegte, was ich machen könnte. Ich bin überzeugt, dass wir die beste Hilfe leisten, wenn wir das tun, worin wir gut sind. Das sind in meinem Fall u.a. das Aufbauen von Projekten und das Begeistern von Menschen für Ideen, von denen ich überzeugt bin. Als irgendwann also Björn und Lena anklopften, entstand genau dieser Aha!-Effekt. Ich hatte meine Möglichkeit gefunden, Geflüchteten zu helfen.

Seitdem arbeite ich für die Initiative D21 und baue zusammen mit Lena und Björn und einem fantastischen Technik Team die Plattform auf. Aus ein paar Strichzeichnungen am Anfang, entstanden irgendwann Wireframes, die zeigten, wo die Reise mal hingehen soll. Wir diskutierten über Namen (allein diese Diskussionen sind schon einen eigenen Blogpost wert), Farbkonzepte und mögliche Versprechen. Wir waren uns einig, dass wir eine Plattform bauen wollten, die hell und lebendig ist.

Das Thema Integration ist so oft mit einer solchen Schwere beladen, dass wir bewusst etwas dagegen setzen, eine Leichtigkeit vermitteln wollten.

Ich finde, das ist uns gelungen. Wenn ich unsere Plattform aufrufe, freue ich mich über die Kacheln, die sich schwunghaft vor und zurückdrehen und zeigen, was sie anzubieten haben. Hinter jeder einzelnen Kachel steckt eine kleine Geschichte für mich, steckt ein Gespräch mit dem jeweiligen Unternehmen oder der Initiative. Oftmals waren es Gespräche, die mich tatsächlich berührt haben. Ich lernte, wie viel großartige und oftmals ehrenamtliche Arbeit von zahlreichen Initiativen und Einzelpersonen in Deutschland geleistet wird. Da habe ich zum Beispiel Katie Griggs vor Augen, eine in Berlin lebende Engländerin, die einfach irgendwann beschloss, geflüchteten Frauen das Fahrradfahren beizubringen, damit sie ihr Umfeld besser erkunden und selbstständiger sein können. Katie engagiert sich mit ihrer Initiative „Cycling lessons for ladies“ so selbstverständlich und mit einem breiten Lachen für Geflüchtete, dass es regelrecht ansteckend ist. Als ich Katie die Kachel mit ihrem Versprechen schickte, schrieb sie mir: „Wow this is so exciting!“ Ich konnte ihre Freude spüren und freute mich mit, weil ich dazu beitragen konnte, dass ihr Engagement ein wenig mehr Aufmerksamkeit erhält.

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Neben Katie hat mich auch die Dänin Anne Riechert, Gründerin der ReDI School of Digital Integration schwer beeindruckt. Die ReDI School bringt Geflüchteten in einem mehrmonatigen Training das Coden bei, damit sie sich für IT-Berufe qualifizieren. Nach meinem ersten Telefonat mit Anne hatte ich ein kleines persönliches High, denn ich merkte, dass unsere Plattform funktioniert und wirklich unterstützen kann. Während ich mit Anne sprach, kamen uns immer mehr Ideen, welche Hilfe denn eigentlich gebraucht wird. Was mich begeisterte, war die Erkenntnis, dass neben den ganz offensichtlichen Dingen wie Laptops so viele andere Sachen benötigt werden, auf die man nicht kommt, wenn man nicht im Thema drin steckt: Laptoptaschen, Visitenkarten für die Studenten der ReDI School, damit sie sich bewerben können, Poster, um in Flüchtlingsheimen auf die Angebote der Initiative aufmerksam zu machen, ein Raum für die Abschlussveranstaltung des Kurses etc. Ich bin überzeugt, dass es genug Unternehmen gibt, die bereit sind, diese Hilfe zu leisten, sie müssen nur wissen, dass der Bedarf da ist. Genau hier wollen wir vermitteln, zeigen was gebraucht wird, um es denen leicht zu machen, die helfen wollen.

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Unternehmen die nichts für die Integration tun – ich habe ein anderes Bild kennengelernt

Nicht nur die Initiativen und ehrenamtlichen Helfer haben mich beeindruckt. Ich habe in den letzten Monaten viele Unternehmen kennengelernt, die auf meine Anfrage zum Engagement auf bunt und verbindlich ohne zu überlegen sofort zusagten. Viele Unternehmen gaben mir diese Zusagen, ohne dass sie die Plattform bereits sehen konnten, sie verstanden lediglich die Idee und waren überzeugt, dass sie gut ist. Das finde ich tatsächlich beeindruckend, denn sie vertrauten unserer Arbeit und unserem Versprechen, ohne eine Garantie zu haben, dass am Ende wirklich etwas Gutes herauskommt.

Durch die Möglichkeit mich mit den zuständigen Mitarbeitern bei den Unternehmen auszutauschen, lernte ich, dass – entgegen der allgemeinen Darstellung – in vielen Unternehmen bereits versucht wird, die Integration von Geflüchteten in unserer Gesellschaft positiv zu unterstützen. Oft passiert dieses Engagement abseits der Öffentlichkeit, weil es eben nicht leicht ist, weil viele Schwierigkeiten auftauchen – ob sprachlich, administrativ, gesetzlich etc. Wenn ich an die Versprechen der Unternehmen auf unserer Plattform denke, springen zwei Namen in meinen Kopf, die mich besonders berührt haben. Das sind Anne von VICHY und ihr Mann Adrian. Anne ist so unsagbar überzeugt und engagiert bei der Sache, wenn es darum geht, mit den Versprechen des Unternehmens eine wirklich nachhaltige Integrationshilfe zu leisten, dass der Austausch mit ihr immer wieder neue Energieschübe bei mir verursachte. Anne meint es ernst und begeisterte mit ihrer Überzeugung auch ihren Geschäftsführer, was zu zwei tollen Versprechen auf bunt und verbindlich führte. Und das ist erst der Anfang.

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Adrian, ihrem Mann, gehört das Unternehmen Corporate Inspiration, welches für Kunden wie Guido Maria Kretschmer und L’Oréal fotografiert. Anne erzählte Adrian von bunt und verbindlich und steckte auch ihn an. Ohne lange zu überlegen erklärte sich Adrian bereit, von 100 Geflüchteten Portraitfotos anzufertigen, die sie später für ihre Bewerbung nutzen können. Warum mich dieses Versprechen so beeindruckt? Weil das Versprechen mit der Aussage beginnt: „Wir versprechen 100 Geflüchteten ein Lächeln zu schenken…“ Dass es sich jemand zum Ziel setzt, diese Menschen, die so unsagbar Furchtbares durchgemacht haben, wieder zum Lächeln zu bringen, berührt mich zutiefst und ich freue mich, durch meine Arbeit dazu beitragen zu können.

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Das ist für mich bunt und verbindlich, eine unendliche Anzahl an Möglichkeiten, Menschen zu unterstützen und Teil unserer Gesellschaft werden zu lassen.

Über die Autorin: Stefanie Kaste studierte Politik und Internationale Beziehungen in London und machte zusätzliche einen MBA Abschluss an der European School of Management and Technology in Berlin. Beruflich hat sie sich den Themen Bildung und Nachhaltigkeit verschrieben und arbeitet ausschließlich für Projekte, die die Welt ein wenig bunter, toleranter und besser machen. Bei bunt und verbindlich begeistert sie Unternehmen und Initiativen für die Plattform, managed die Community und leitet die Kommunikation.

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